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Weichglühen
Das Weichglühen erfolgt bei einer Temperatur dicht unterhalb Ac1*, mitunter auch über
Ac1
oder durch Pendeln um Ac1, mit nachfolgendem langsamen Abkühlen zum Erzielen eines
weichen Zustandes (DIN 17022 Teil 1-5). Durch diese Wärmebehandlung werden die
Zementitlamellen des Perlits in eine kugelige Form - den sogenannten körnigen Zementit
umgewandelt. Diese Art des Gefüges ergibt für Stähle mit C-Gehalt von mehr als ca.
0,5% die
günstige Bearbeitbarkeit. Für jede Art der Kaltverformung z.B. durch Stauchen, Ziehen, oder
Kaltfließpressen, ist der körnige Zementit der Zustand bester Verformbarkeit.
In der Praxis wird auf die vorgeschriebene Glühtemperatur erwärmt, einige Zeit gehalten und
dann langsam im Ofen bis ca. 600°C und dann an Luft abgekühlt.
Ein besonders gleichmäßiges Glühgefüge mit feinverteiltem körnigem Zementit kann durch
Härten mit nachfolgendem Weichglühung erreicht werden.
Normalglühen
Beim Normalglühen wird auf eine Temperatur erwärmt, die oberhalb (ca.20 bis 50°C) des
oberen Umwandlungspunktes Ac3*), bei übereutektoiden Stählen oberhalb Ac1 liegt,
anschließend an ruhender Luft abgekühlt. Es wird angewendet, um ein gleichmäßig
feinkörniges Gefüge zu erhalten.
Bei untereutektoiden Stählen besteht das Gefüge aus Perlit
und Ferrit, bei übereutektoiden Stählen aus Perlit und Zementit. Die Kornverfeinerung beruht
auf dem zweimaligen Durchlaufen der a-g - Umwandlung
*) beim Erwärmen und Abkühlen.
Je höher die Aufheiz- und Abkühlgeschwindigkeit ist, um so feinkörniger wird das Gefüge,
vorausgesetzt, dass die Umwandlung während der Abkühlung noch in der Perlitstufe abläuft.
Durch Normalglühen kann ein ungleichmäßiges und grobkörniges Gefüge, welches bei der
Warmumformung entstanden ist beseitigt werden. Außerdem werden damit in
umwandlungsfreudigen Stählen mit C-Gehalten unter 0,5% durch die Einstellung eines
Perlit- Ferrit-Gefüges in weitgehend gleichmäßiger Verteilung gute
Zerspanungseigenschaften erreicht.
Die Luftabkühlung ist nur auf Stähle anwendbar, die hierbei in der Perlitstufe vollständig
umwandeln. Dies trifft für unlegierte und schwach legierte Stähle zu. Im Zweifelsfalle gibt
darüber das ZTU- Schaubild für kontinuierliche Abkühlung zusammen mit Bild 12 Aufschluss.
Bei höher legierten Stählen ist eine isothermische Perlit-Umwandlung zweckmäßig. Man
geht vom ZTU- Schaubild für isothermische Umwandlung aus und benutzt dabei mit einem
ausreichenden zeitlichen Sicherheitszuschlag die Temperatur der raschesten
Perlitbildung.
Härten (Abschreckhärten)
Unter Härten versteht man das Abkühlen von einer Temperatur oberhalb der
Umwandlungspunkte A3 bzw. A1 mit solcher Geschwindigkeit, dass oberflächlich oder
durchgreifend eine erhebliche Härtesteigerung, in der Regel durch Martensitbildung,
eintritt. Das Erwärmen muss auf eine Temperatur über die Umwandlungspunkte Ac1 oder
Ac3 und das Abkühlen von einer Temperatur oberhalb der Umwandlungspunkte
Ac1 oder Ac3 vorgenommen werden (DIN17022 Teil 1-5).
Das Ziel des Härtens ist eine möglichst hohe
Härteannahme des Werkstücks. Die erreichte Härte richtet sich nach dem Kohlenstoffgehalt
des Stahles und seiner Härtbarkeit, wobei sich die Abmessungen des Werkstücks und die
Wärmebehandlungsbedingungen als mitbestimmend ergeben. Die optimale Durchführung
der Härtung erfordert genaue Einhaltung der angegebenen Härtetemperaturen und
Haltezeiten sowie die richtige Wahl des Härtemittels und seine Handhabung. Die günstigsten
Härtewerte sind durch Härten in der Martensitstufe zu erreichen.
Ferrit im Härtungsgefüge ist die Folge zu niedriger Härtetemperatur oder zu langsamer
Abkühlung. Restaustenit kann bei hochgekohlten, legierten Stählen als Folge einer zu hohen
Härtetemperatur auftreten. In diesem Fall tritt meist auch eine Kornvergröberung ein. Zu
hohe Anteile an Ferrit, Perlit oder Zwischenstufengefüge verursachen eine Verringerung der
Härte und beeinträchtigen auch die Zähigkeitseigenschaften.
Abschreckmittel sind meist Wasser, Öl oder Luft, wobei sich die Anwendung nach der
kritischen Abkühlgeschwindigkeit des Stahles richtet. In jedem Fall wird die mildeste Abschreckung angewendet, die nach Sachlage möglich ist,
um Rissgefahr und Verzug so gering wie möglich zu halten.

*) Es bedeuten:
A1 Punkt = eutektoidische Umwandlung (723°)
A3 Punkt = (a-g )-Eisen-Umwandlung
Ac1,Ac3 Punkt = Haltepunkt auf der Erhitzungskurve bei der
A1- bzw. A3- Umwandlung
(c = chauffage)
Ar1,Ar3 Punkt = Haltepunkt auf der Abkühlungskurve bei der
A1- bzw. A3-Umwandlung
(r = refroidissement)
Warmbadhärten
Unter Warmbadhärten versteht man das Härten eines Werkstücks durch Abkühlen in einem
Salz- oder Metallbad mit Halten bis zum Temperaturausgleich und anschließendem beliebigen Abkühlen
auf Raumtemperatur (DIN 17022 Teil 1-5). Diese Behandlung wird dort angewendet, wo aufgrund der
Gestalt Verzugsgefahr besteht. Vorraussetzung ist, dass der verwendete Stahl in Öl härtbar ist.
Eine Umwandlungslücke zwischen Perlit und Zwischenstufe oder eine ausreichende Anlaufzeit im Bereich der
Zwischenstufe oberhalb der MS-Temperatur sind wünschenswerte Kennzeichen
des jeweiligen isothermischen Umwandlungsbildes.
Zwischenstufenumwandeln
(Zwischenstufenvergütung)
Unter Zwischenstufenumwandeln versteht man ein Abschrecken des
Werkstückes von der Härtetemperatur in Salz- und Metallbändern, deren
Temperaturen tiefer sind als dies für die Bildung von Perlit notwendig
ist, die aber über der Martensitbildung liegen. Es folgt ein Halten bis
zur Beendigung der Umwandlung in der Zwischenstufe mit anschließendem
beliebigem Abkühlen auf Raumtemperatur (DIN 17022 Teil 1-5). Durch einer derartige isomethrische Umwandlung in der Zwischenstufe
erhält man neben geringen Verzug sehr günstige Zähigkeitseigenschaften. Ein Anlassen entfällt.
Anlassen
Unter Anlassen versteht man ein Erwärmen nach vorausgegangenem Härten, Kaltverformen
(Kaltrichten) oder Schweißen auf eine Temperatur zwischen Raumtemperatur und unterem
Umwandlungspunkt Ac1 und Halten bei dieser Temperatur mit nachfolgendem, zweckentsprechendem
Abkühlen (DIN 17022 Teil 1-5).
Ein durch rasche Abkühlung umgewandeltes Gefüge befindet sich nicht in einem stabilen
Gleichgewicht, so dass durch ein Wiederwärmen unter gleichzeitigem Anstieg der Zähigkeit
die Härte wieder abgebaut werden kann. Der Grad des Härteabfalls wird dabei durch die
Anlasstemperatur und die Anlassdauer bestimmt.
Der Abfall der Härte erfolgt in verschiedenen Stufen, die durch bestimmte Ausscheidungs- und Umwandlungsvorgänge
gekennzeichnet sind. Zunächst wird der tetragonale Martensit in den weniger
rissanfälligen kubischen Martensit umgewandelt (bei ca. 200 ° C)
und oberhalb dieser Temperatur werden allmählich in immer größerem Umfang
Karbide ausgeschieden. Beim Vorliegen von Restaustenit bei höher
legierten Stählen tritt durch diese
Ausscheidungvorgänge eine Kohlenstoffverarmung des Restaustenits ein, der hierdurch beim Abkühlen in tetragonalen
Matensit umwandeln kann. In solchen Fällen ist ein nochmaliges Anlassen
erforderlich.
Die Anlassbehandlung sollte sofort im Anschluss an die Härtung erfolgen, um die Spannungsrisse zu vermeiden. Die
Einstellung der mechanischen Werte wird in weitaus stärkerem Maße durch die
Anlasstemperatur als durch die Zeit bestimmt.
Im allgemeinen wählt man je 25 mm Wanddicke eine Haltezeit von einer Stunde. Die Abkühlung nach dem Anlassen richtet sich nach der Form des Werkstückes und
der Stahlqualität.
Bei komplizierten Stücken können durch zu rasche Abkühlung unzulässige Spannungen entstehen.
Bei langsamer Abkühlung aus der Anlasstemperatur kann
Anlasssprödigkeit auftreten, die sich im Abfall der
Kerbschlagzähigkeit äußert. Diese Versprödungserscheinung tritt vor
allem bei Mn-, CrMn- und CrNi-legierten Stählen auf, wenn nach dem
Anlassen der Temperaturbereich 550 bis 400°C langsam durchlaufen wird
oder in diesem Temperaturbereich ein längeres Halten erfolgt. Die
Neigung zur Anlasssprödigkeit kann
durch Mo-Zusätze in diesen Stählen abgeschwächt werden. Es ist auch
möglich, durch schroffe Abkühlung die Anlasssprödigkeit zu
unterdrücken, wenn man über dem gefährlichen Temperaturbereich, also
über 550°C angelassen hat.
Die Änderung der mechanischen Eigenschaften in Abhängigkeit von der
der Anlasstemperatur verläuft bis ca. 500°C mit einem stetigem
Härteabfall ohne merklichen Zähigkeitszuwachs. Erst oberhalb 500°C
ist ein starke Zunahmen der Zähigkeit unter weiterem Abfall der Härte
festzustellen.
Spannungsarmglühen Unter
Spannungsarmglühen versteht man ein Glühen bei einer Temperatur
unterhalb des unteren Umwandlungspunktes Ac1, meist unter
600°C, mit anschließendem langsamen Abkühlen zum Abbau innerer
Spannungen ohne wesentlichen Änderungen der vorliegenden Eigenschaften
(DIN 17014).
Es wird dort angewandt, wo auf Grund vorhandener Eigenspannung ein Verziehen oder
Reißen des Werkstückes eintreten kann. Die Spannungen
können durch Volumenvergrößerung des Kristallgitters (z.B. bei
Martensitbildung), durch ungleichmäßige Temperaturänderungen oder
durch Kaltverformungen (Richtoperationen) entstanden sein.
Im allgemeinen werden Temperaturen zwischen 450 und 650 °C angewendet.
Auf jeden Fall sollte man 30-50°C unter der Anlasstemperatur bleiben.
Der Abfall der Fliessgrenze mit steigender Temperatur bewirkt ein Abbau
der Spannungen, der sich im entsprechenden Verzügen äußert. Daher
erreicht man die beste Spannungsfreiheit, wenn man das Stück über die
Umwandlung erhitzt, langsam abkühlen lässt und die entstandenen
Verzüge abarbeitet. Entsprechende Maßzugaben sind für diese
Arbeitsweise die Vorrausetzung. Das Entspannen von Teilen, die hohe
Härte behalten sollen (z.B. einsatz- gehärtete Teile), wird bei ca. 200°C durchgeführt. Hierbei beruht die Spannungsverringerung auf
der Umwandlung des spannungsreichen tetragonalen Martensit in den
spannungsärmeren kubischen.
OB-Glühen (von uns eingeführter Ausdruck) Unter
OB-Glühen verstehen wir eine Wärmebehandlung zur Einstellung eines
Gefüges mit optimaler Bearbeitbarkeit (Zustand BG*).
Der für die Bearbeitbarkeit jeweils günstigste Gefügeaufbau kann sehr
verschiedenartig sein und richtet sich nach der Art der Zerspanung, der
chemischen Zusammensetzung und dem Umwandlungsverhalten der Stähle.
Während bei Stählen mit niedrigem und mittlerem C-Gehalt sowie nicht
zu hohem Legierungs-Gehalt ein Gefüge, bestehend aus lamellarem Perlit
und Ferrit, die günstigsten Zerspanungseigenschaften zeigt, ist für
höher gekohlte und höher legierte Stähle ein Gefüge mit körnigem
Zementit von Vorteil. Wesentlich für die Einstellung der optimalen
Bearbeitbarkeit ist die Art der Bearbeitung, da sich das gleiche Gefüge
bei verschiedenen Arten der Bearbeitung unterschiedlich verhalten kann.
Für die Durchführung der OB-Glühung gelten die gleichen Vorschriften
wie die unter Normalglühen, Vergüten und Weichglühen beschriebenen,
wobei die Behandlung sowohl mit kontinuierlicher als auch mit
isothermischer Umwandlung erfolgen kann.
Hochglühen (Grobkornglühen)
Unter Hochglühen versteht man ein Glühen bei einer Temperatur oberhalb
des oberen Umwandlungspunktes Ac3 mit zweckentsprechendem Abkühlen, um gröberes Korn zu erzielen.
Durch die grobkörnige Ausbildung wird vor allem bei Stählen mit
niedrigen Kohlenstoffgehalten und einem ferritisch- perlitischen Gefüge
eine gute Bearbeitbarkeit erreicht. Diese Verbesserung ist die Folge der
geringen Zähigkeit des Werkstoffes mit grobem Korn, so das ein leicht
bröckelnder Span entsteht, der geringeren Schneiden-Verschleiß
bewirkt.
Einsatzhärten
Unter Einsatzhärten versteht man ein Härten nach vorhergegangenem
Aufkohlen, gegebenenfalls unter gleichzeitigem Aufsticken der
Oberfläche (DIN 17014).
Es wird dort angewendet, wo ein Werkstück neben hoher
Kernzähigkeit eine harte verschließfeste Oberfläche besitzen muss.
Außerdem wird durch Einsatzhärtung die Dauerfestigkeit auf Grund von
Druckeigenspannungen in der Randzone erhöht. Die hier für verwendeten
Stähle haben niedrige C-Gehalte und sind je nach gewünschter
Kernfestigkeit legiert.
Das Aufkohlen ( Einsetzen, Zementieren) besteht aus einer auf die
Randzone beschränkten Kohlenstoffanreicherung durch Halten bei einer
Temperatur oberhalb der Umwandlungspunkte Ac1, oder Ac3 in
Kohlenstoff abgebenden Mitteln. Je nach Art des angewendeten Mittels
spricht man von Gas-, Bad-, Pulver-, oder Pastenaufkohlen (DIN 17014).
Die Aufkohlungstiefe wird durch die Dauer der Zementation und die
Aktivität des Kohlungsmittels bestimmt. Im allgemeinen liegen die
Einsatztemperaturen bei 870-930°C, jedoch werden manchmal auch höhere
Temperaturen angewendet.
Für die Durchführung des Einsatzhärtens kommen je nach Werkstoff
sowie Form und Größe der Teile verschiedene Behandlungsarten in
Betracht, von denen einige in Bild 20 schematisch wiedergegeben
sind.
Bild 20 (Zur Vergrößerung, bitte auf das
jeweilige Bild klicken.)
Beispiel für Behandlungserfolge der Einsatzstähle
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*) Wärmebehandeln zum Erzielen einer bestimmten Gefügeausbildung (BG): Die Stücke werden von einer Temperatur zwischen 900 und 1000°C geregelt abgekühlt.
1. Das Direkthärten (Härten aus dem Einsatz) besteht aus einem Härten
des aufgekohlten Werkstückes am Schluss des Aufkohlens, wobei die
Härte- temperatur gegebenenfalls tiefer liegen kann als die Aufkohlungstemperatur, jedoch noch über Ar1 der Einsatzschicht liegen
muss (DIN 17014).
2. Die Einfachhärtung (Randhärtung) besteht aus einem Härten des
aufgekohlten und hiernach bis unter den unteren Umwandlungspunkt Ar1
abgekühlten Werkstückes von der Härtetemperatur der Einsatzschicht
(DIN 17014).
3. Die Doppelhärtung besteht aus einem zweimaligen Härten des
aufgekohlten Werkstückes, wobei die erste Härtung von der
Härtetemperatur des Kernwerkstoffes, die zweite von der
Härtetemperatur der Einsatzschicht vorgenommen wird (DIN 17014).
Bei der Einfach- und der Doppelhärtung kann eine Zwischenglühung der
aufgekohlten Bauteile vor dem Randhärten durchgeführt werden. Diese
Wärmebehandlung besteht aus einer Glühung knapp unterhalb Ac1,
d.h. meist bei ca. 600-650°C mit langer Haltezeit und nachfolgender
langsamer Abkühlung. Durch diese Zwischenglühung ist es möglich, den
im Überschuss im Austenit gelösten Kohlenstoff als Zementit
auszuscheiden und die Gefahr der Restaustenitbildung bei der
nachfolgenden Randhärtung zu vermeiden. Außerdem wird damit eine
Verminderung des Verzuges erreicht.
Vergüten
Unter Vergüten versteht man eine Wärmebehandlung zum Erzielen hoher
Zähigkeit bei bestimmter Zugfestigkeit durch Härten und
anschließendes Anlassen meist auf höherer Temperatur (DIN
17014).
Die mechanische Eigenschaft eines vergütenden Stahls, besonders seine
Zähigkeit, hängt im hohen Maße von der Sorgfalt der
Vergütungsbehandlung ab.
Das beste Streckgrenzverhältnis und die höchste Zähigkeit werden beim
Vergüten dann erreicht, wenn eine vollkommene Härtung über die
Martensit- stufe erfolgt. Günstige Eigenschaften werden bei der
Vergütung in größeren Querschnitten noch eingestellt, wenn im Kern
nach dem Härten ein Gefüge, bestehend aus mind. 50% Martensit,
erreicht wird.
Zur Einstellung der gewünschten Eigenschaften dienen die Vergütungs-
schaubilder, welche für die meisten Stahlqualitäten
angegeben sind. Die Auswahl der Stähle für eine gewünschte
Festigkeitsstufe richtet sich weiterhin nach den
Vergütungsquerschnitten, die in den Angaben über die mechanischen
Eigenschaften berücksichtigen sind (DIN 17.200).
Oberflächenhärtung
Unter Oberflächenhärtung versteht man ein auf die Oberfläche
beschränktes Erwärmen von Werkstücken, bei dem der Kern unter
Härtetemperatur bleibt und beim Abschrecken keinesfalls der Härtung
unterliegt. Dieses auf die Oberfläche beschränktes Erwärmen erzielt
man durch Gasflammen (Flammhärten) oder induktive Erhitzung
(Induktionshärten). Durch diese Erhitzungsarten kann man unter
entsprechenden Bedingungen auch eine durchgreifende Erwärmung auf
Härtetemperatur erzielen, doch fallen diese Erhitzungsarten dann
nicht mehr unter den Begriff der Oberflächenhärtung. Besondere Arten
der Oberflächenhärtung sind die Einsatz- und die Nitrierhärtung.
Das Oberflächenhärten findet dort seine Anwendung, wo eine harte und
verschleißfeste Oberfläche bei zähen Kerneigenschaften gefordert
wird. Gleichzeitig wird hierdurch die Dauerfestigkeit verbessert. Die
C-Gehalte der verwendbaren Stähle sind auf die gewünschte
Oberflächenhärte abzustellen (siehe DIN 17.212). Die erreichbare
Oberflächenhärte ist durch den C-Gehalt des Werkstoffes gegeben, die
Einhärtetiefe ist von der Legierungsbasis sowie den Härtebedingungen
abhängig, insbesondere von der Austenitisierungs- temperatur (die höher
liegt als beim üblichen Härten), von der Einwärmung und der
Austenitisierungsdauer. Praktisch werden diese Faktoren durch die
eingebrachte Energie pro Zeiteinheit und die Vorschubgeschwindigkeit
gesteuert.
Unmittelbar im Anschluss an das Härten werden die Teile einer
Entspannungsbehandlung bei ca. 200°C unterzogen (siehe auch unter "Stähle
für die Oberflächenhärtung").
Nitrieren (Gas-Nitrieren und Bad-Nitrieren)
Das Nitrieren besteht aus einem Glühen in Stickstoff abgebenden
Mitteln, um eine mit Stickstoff angereicherte Oberfläche zu erzielen
(DIN 17014).
Die nitrierte Oberfläche bekommt - wenn die Neigung zur Bildung von
Sondernitriden besteht - eine sehr hohe Härte, gute
Verschleißeigenschaften sowie Anlassbeständigkeit bis 500°C.
Das Nitrieren kann im Ammoniakgasstrom bei 500°C durchgeführt werden;
die Nitrierdauer beträgt ca. 10 bis 100 Stunden. Außerdem wird in
Salzbädern nitriert, wobei die Temperaturen bei 550 bis 580°C liegen
und die Behandlungsdauer bedeutend kürzer ist.
Die Einhärtetiefe kann bei genügend langer Nitrierdauer im Gasstrom
bis zu 1 mm Tiefe erreichen, im Salzbad einige Zehntel mm. Während das
Gas- nitrieren überwiegend bei Nitrierstählen angewendet wird, die
durch ihre Al- und Cr-Gehalte sehr hohe Härten erreichen, können im
Salzbadverfahren alle Stähle nitriert werden. Bei diesen Stählen ohne
nitridbildende Elemente führt die Nitrierbehandlung im Salzbad
(Weichnitrieren) nur zu einer geringen Steigerung der
Oberflächenhärte. Der Verschleißwiderstand wird trotzdem stark
erhöht.
Für die Nitrierbehandlung muss Material (DIN 17.211) verwendet werden,
welches ausreichend spannungsarm und oberflächlich sauber und entfettet
ist. Außerdem sollen keine scharfen Übergänge vorhanden sein. Die
günstigsten Eigenschaften der Nitrierschicht erhält man nach einer
Vergütung, durch die das Gefüge gleichmäßig und frei von
Ferritflecken wird. Entkohlte Randzonen sind unbedingt zu vermeiden.
Beim Gasnitrieren erfolgt das Abkühlen der Teile langsam im Ofen, so
dass nach dem Erkalten ein weitgehend verzugfreies Werkstück vorliegt.
Teniferbehandeln
Die Teniferbehandlung ist ein aus dem Weichnitrieren speziell
entwickeltes Salzbadnitrierverfahren. Als Stickstoffträger dient ein
KCN/KCNO-Salzbad mit Belüftung. Die Teile werden bei ca. 570°C
zwischen 30 und 120 min. be- handelt und anschließend je nach Werkstoff
und Form in Wasser oder an Luft abgekühlt.
Die so behandelte Oberfläche besteht aus zwei Schichten: einer
sogenannten Verbindungszone und einer darunter befindlichen
Diffusionszone. Erstere setzt sich aus Karbonitriden zusammen und hat
eine Dicke von 12 bis 16µ, letztere enthält gelösten Stickstoff, der
sich nur bei langsamer Abkühlung oder bei Anlassen oberhalb 300°C
ausscheidet und nadelförmige Nitride bildet. Bei legierten Stählen
bilden sich in der Diffusionszone Sondernitride; die Tiefe beider Zonen
beträgt mehr als 0,6 mm.
Die Teniferbehandlung hat sich besonders bei Teilen bewährt, die einem
Verschleiß durch gleitende Reibung ausgesetzt sind (z.B. an
Lagerstellen). Durch die Diffusionszone wird auch die Dauerfestigkeit
erhöht. Die Ursache für die verbesserten Gleiteigenschaften liegt in
dem verbesserten Reibungs- koeffizienten der Verbindungszone, wodurch ein
Fressen vermieden wird. Gleichfalls besitzen teniferbehandelte Teile
eine gewisse Korrosions- beständigkeit.
Karbonitrieren
Unter Karbonitrieren versteht man eine gleichzeitige Kohlenstoff- und
Stickstoffanreicherung der Randzone durch Halten bei einer Temperatur
über, allenfalls auch unter dem Umwandlungspunkt Ac1, des
Kernwerkstoffes in Kohlenstoff und Stickstoff abgebenden Mitteln (DIN
17014). Anschließend wird entsprechend den geforderten Eigenschaften in
Wasser, Öl oder Luft abgekühlt.
Karbonitrierte Werkstücke besitzen einen höheren Verschleißwiderstand
als einsatzgehärtete, die Festigkeit im Kern ist jedoch niedriger als
bei der Einsatzhärtung.
Das Verfahren kann im Gasstrom oder im Salzbad bei tieferen Temperaturen
(700 bis 800°C) als beim Einsatzhärten ausgeführt werden. Das
Abschrecken ist daher weniger schroff. Durch die Anwesenheit von
Stickstoff in der Rand- schicht ist die kritische
Abkühlungsgeschwindigkeit vermindert. Dies hat einen geringeren Verzug
der Teile zur Folge.
Je nach Temperaturführung und durch verschiedene Anteile an Stickstoff-
trägern im Gas oder Bad kann die Zusammensetzung der Randzone
variieren. Bei tiefen Behandlungstemperaturen bildet sich zunächst eine
Karbonitrier- schicht - bestehend aus Karbonitriden und
Zementit - und darunter, aufgrund des hohen Stickstoffanteils dieser
Schicht, ein Härtegefüge. Die Karbonitrier- schicht besteht bei höheren
Behandlungstemperaturen aus Zementit, in dem Kohlenstoff durch
Stickstoff ersetzt sein kann.
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