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Eigenschaften
bei statischer Beanspruchung
Eine statische Beanspruchung ist eine ruhende,
schwingungsfreie Belastung in ein- oder mehrachsiger
Richtung. Als Berechnungsunterlage dienen bei statischer
Beanspruchung in erster Linie die Angaben für
Streckgrenze und Zugfestigkeit, bei erhöhten Ansprüchen
auch die Kerbschlagzähigkeit, Dehnung und Einschnürung.
Im allgemeinen wählt man bei hochbeanspruchten
Konstruktionen Stähle im vergüteten Zustand, die ein
optimales Streckgrenzenverhältnis (Streckgrenze:
Zugfestigkeit . 100 in % c) besitzen. Außerdem wird
hierdurch eine gute Zähigkeit erreicht, die bei
ausreichender Härtbarkeit bis in den Kern gewährleistet
ist. Bei einfachen Querschnitten und Belastungsfällen
(Biegung oder Torsion) kann häufig auf eine hohe
Festigkeit im Kern verzichtet werden, da sich dort die
neutrale Faser befindet. Häufiger tritt jedoch eine
mehrachsige Belastung auf, bei der die Eigenschaften an
der Oberfläche und im Kern annähernd gleich sein
sollten.
Es muss auch berücksichtigt werden, dass Festigkeit und
Zähigkeit in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis
stehen. Soll durch eine Festigkeitserhöhung die
Dimensionierung eines Bauteiles verringert werden, so
ist der eintretende Zähigkeitsabfall zu berücksichtigen.
Diese Ausführungen gelten für den rein statischen
Belastungsfall. Tritt außerdem noch eine dynamische
Beanspruchung hinzu, so reichen die genannten
Eigenschaften zur Berechnung nicht aus.
Eigenschaften
bei dynamischer Beanspruchung
Dynamische Beanspruchung liegt bei einer pulsierenden
oder schlagenden Belastung vor, die ein- oder mehrachsig
sein kann. Bauteile, die einer dauernden
Schwingbelastung unterliegen, müssen über eine
ausreichende Dauerschwingfestigkeit (oder kurz:
Dauerfestigkeit) verfügen. Man bezeichnet als
Dauerschwingbeanspruchung eine Beanspruchung, die sich
zwischen einer Oberspannung so(s
max.) und einer Unterspannung su
(s min.) dauernd ändert. Sie
kann durch eine gleichbleibende Mittelspannung sm
und eine überlagerte Wechselspannung mit dem
Spannungsausschlag ± sa
dargestellt werden. Hieraus ergibt sich
Die Dauerfestigkeit ist jene Beanspruchung, die ein Teil
noch gerade dauernd ertragen kann, ohne zu brechen. Sie
ist wie folgt definiert:
Das Dauerfestigkeitsschaubild nach Smith (Bild 21)
zeigt die Belastungsfälle bei Zug-Druck-Beanspruchung
sowie das Schema einer Dauerbeanspruchung.
Die Kurven für so
und su
stellen die Grenzbelastung im elastischen Bereich für
verschiedene Mittelspannungen dar. Ist sm
= O (d.h. pendelt der Spannungsausschlag um die
O-Linie), so liegt eine reine Wechselbelastung vor, bei su
= O spricht man von reiner Schwellbelastung.
Das Schaubild gilt für polierte, ungekerbte Proben. Außer
der Zug-Druck-Wechselfestigkeit spricht man je nach
Beanspruchungsart von Biege-Wechselfestigkeit und
Verdreh-Wechselfestigkeit.
Für die Dauerfestigkeit ist eine Vielzahl von
Einflussgrößen maßgebend, die sowohl werkstoffbedingt
als auch gestaltabhängig sind. Sie können unterteilt
werden in:
1. Metallurgische Einflüsse,
2. Technologische Einflüsse,
3. Mechanische Einflüsse,
4. Oberflächen- oder gestaltabhängige Einflüsse,
5. Einflüsse der Probeherstellung und Prüfbedingungen.
Metallurgische Einflüsse (wie Erschmelzungsart und
Schmelzführung, Seigerungen und Reinheitsgrad) sind
besonders bei Stählen mit hoher Festigkeit von
Bedeutung. So zeigen vakuumerschmolzene Stähle vor
allem in der Querrichtung eine starke Verbesserung der
Dauerfestigkeit im Vergleich zu lufterschmolzenen Stählen.
Als technologische Einflüsse kommen Kaltverformung und
Wärmebehandlung in Betracht. Besonders die Wärmebehandlung
übt durch Art, Verteilung und Gleichmäßigkeit des Gefüges,
durch Korngröße und Randentkohlung einen großen
Einfluss auf die Dauerfestigkeit aus.
Die mechanischen Einflüsse (Zugfestigkeit, Streckgrenze
und Eigenspannungen) sind neben der Kerbwirkung von
entscheidender Bedeutung. Die Dauerfestigkeit ist
proportional der Zugfestigkeit und dem Streckgrenzenverhältnis.
Jedoch muss berücksichtigt werden, dass mit wachsender
Festigkeit die Kerbempfindlichkeit zunimmt. Bild 22 zeigt
den Einfluss der Festigkeit auf die
Biege-Wechselfestigkeit in Abhängigkeit von der Oberflächenbeschaffenheit.
Es ist deutlich erkennbar, dass Angaben über die
Dauerfestigkeit hauptsächlich einen vergleichenden Wert
haben und man sollte zweckmäßigerweise nur Werte von
polierten Proben angeben. Die Beziehung der
Dauerfestigkeit zur Zugfestigkeit kann durch mehrere Näherungsformeln
mit einem Streubereich von ± 20 % ausgedrückt werden.
Bild
21 (Zur Vergrößerung, bitte auf das
jeweilige Bild klicken.)
Schema einer Dauerbeanspruchung und eines
Dauerfestigkeitsschaubildes (Nach Smith) für Zug-
Druck- Beanspruchung mit Zug- Mittelspannungen |
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Bild
22 (Zur Vergrößerung, bitte auf das
jeweilige Bild klicken.)
Einfluss von Oberflächenbeschaffenheit, Kerben und Korrosion auf die
Beigewechselfestigkeit von Stellen (Nach
Arbeitsblatt. 1d. Fachausschusses f. Maschinenelemente
b. VDI)
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Näherungsformeln zur Berechnung der Dauerfestigkeit:
| Biege-Wechselfestigkeit |
=
ca. 0,5 . Zugfestigkeit |
| Zug-Druck-Wechselfestigkeit |
=
ca. 0,46 . Zugfestigkeit |
| Verdreh-Wechselfestigkeit |
=
ca. 0,28 . Zugfestigkeit |
Diese Werte gelten für polierte und vergütete
Proben. Eine Beziehung der Dauerfestigkeit sowie der
Kerbschlagzähigkeit zur Bruchdehnung und Brucheinschnürung
konnte nicht festgestellt werden.
Eigenspannungen verändern je nach Art, Verteilung und
Größe die Dauerfestigkeit. Während sich Zugspannungen
nachteilig auswirken, ergeben Druckspannungen eine
Steigerung der Dauerfestigkeit. So können durch Oberflächenverfestigung
(Drücken, Kugelstrahlen) Druckspannungen erzeugt
werden. Auch durch Nitrieren, Einsatz- und Oberflächenhärtung
werden Druckeigenspannungen erzielt, die zu einer
Verbesserung der Dauerfestigkeit führen.
Besondere Bedeutung kommt der Oberflächenbeschaffenheit
und der Gestaltung des Bauteils zu. Rauhe, narbige
Oberflächen mit Bearbeitungsriefen beeinflussen infolge
Kerbwirkung die Dauerfestigkeit ungünstig. Bei der
Konstruktion von Bauteilen soll man scharfkantige Übergänge
sowie spanungsungünstige Formkerben und Querschnittsänderungen
vermeiden. Eine Verbesserung der Oberfläche kann durch
Schleifen, Polieren, Strahlen usw. erreicht werden.
Die Dauerfestigkeit wird meist nach dem Wöhler-Verfahren
ermittelt; wobei mehrere gleichartige Proben bei
gleicher Mittel- oder Unterspannung in verschiedenen
Belastungsstufen geprüft werden. Man ermittelt die
Anzahl der Lastspiele bis zum Bruch. Hieraus ergibt sich
im Bild 23 die sogenannte Wöhlerkurve.
Als Dauerfestigkeit bezeichnet man darin die Belastung,
die nach 107 Lastspielen nicht zum Bruch führt
(gekennzeichnet durch den horizontalen Kurvenverlauf).
Den Bereich bis zu dieser Lastspielzahl nennt man
Zeitfestigkeitsbereich. In diesem hält die Probe einer
erhöhten Belastung nur eine begrenzte Zeitdauer stand.
Der Zeitfestigkeitsbereich wird durch die Schadenslinie
in zwei Gebiete unterteilt:
Unterhalb kann eine Probe während einer begrenzten Zeit
ohne Anriss überlastet werden, oberhalb (zwischen
Schadenslinie und Wöhlerkurve) geht die Probe zwar nach
Überbelastung während eines gewissen Zeitraumes nicht
zu Bruch, hat aber bereits eine Schädigung in Form von
kleinen Anrissen erfahren. Die Schadenslinie zeigt an, nach wie viel Lastspielen bei einer Belastung eine
erste Schädigung der Probe auftritt, ohne dass zunächst
ein Bruch entsteht. Wo also ein Bauteil turnusmäßig
ausgewechselt werden kann, darf eine Belastung im
Zeitfestigkeitsbereich unterhalb der Schadenslinie
ausgenutzt werden (z.B. bei Förderseilen).
Zeitfestigkeit und Schadenslinie reichen nicht aus, um
die Haltbarkeit von Bauteilen zu beurteilen, deren
Beanspruchung während des Betriebes oft und stark in
der Höhe wechselt. In solchen Fällen wird für die in
Betracht kommenden Teile die Betriebsfestigkeit unter
Belastungsbedingungen ermittelt, die der praktischen
Beanspruchung nahe kommen.
Obwohl die Dauerfestigkeit für die konstruktive
Berechnung von wesentlicher Bedeutung ist, sind genaue
Daten für die einzelnen Stähle nicht bekannt. Man muss
sich mit berechneten Anhaltswerten für polierte Proben
begnügen. Der Grund hierfür liegt in der Vielzahl der
Einflüsse, von denen die Dauerfestigkeit abhängig ist,
speziell von der Form des Bauteils und seiner
Oberflächen- beschaffenheit.
Eine auf das Bauteil bezogene zahlenmäßige Aussage lässt
sich nur durch Prüfung unter Betriebsbedingungen exakt
ermitteln.
Bild
23
Wöhler-Linie und Schadenslinie
für Versuche mit gleichbleibender Mittelspannung sm
[ sD
= sm
± sA
]
oder gleichbleibender Unterspannung su
[ sD = ( su
+ sA )
± sA
] |
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Dauerbruch
Der am meisten in der Praxis auftretende Bruch ist der
Dauerbruch. Er ist die Folge einer Ermüdungserscheinung
im Werkstoff und tritt nach einer Dauer-
schwingbelastung
auf, die über der Dauerfestigkeit liegt. Diese
Belastung kann unter der für statische Ansprüche
ausreichenden Streckgrenze liegen und tritt, sofern
keine hohe Mittelspannung vorliegt, plötzlich ohne äußere
Verformung (auch bei weichen Stählen) auf. Für
Bauteile, die schwingender Beanspruchung unterliegen,
ist daher die Dauerfestigkeit die Grundlage für die
Berechnung.
Der Dauerbruch (Bild 24) hat ein typisches
Aussehen. Ausgehend von einem Anrisspunkt zeigt er ein
feines samtartiges Bruchgefüge über eine größere Fläche,
die gekennzeichnet ist durch eine Reihe von Rastlinien,
welche etwa konzentrisch zum Anrisspunkt verlaufen und
die Zonen zeigen, wo der Anriss während seines Wachsens
zeitweise zum Stillstand gekommen ist. Der andere Teil
der Bruchfläche zeigt eine körnige, leicht verformte,
sehnige Ausbildung, welche durch den Gewaltbruch
entstanden ist.
Aufgrund dieses spezifischen Aussehens können über den
Hergang der Bruchursache meist wichtige Rückschlüsse
gezogen werden.
Formgerechte Gestaltung
Häufig sind Schadensfälle durch Dauerbruch eine Folge
unzureichender konstruktiver Gestaltung. Bei dynamisch
beanspruchten Bauteilen muss beachtet werden, dass an
Querschnittsübergängen keine Kerbwirkungen und unzulässig
hohe Spannungsspitzen verursacht werden. Bei Wellen und
Bolzen z.B. ist es zweckmäßig, an den Querschnittsübergängen
Hohlkehlen anzubringen, wobei auf riefenfreie Oberfläche
zu achten ist. Scharfkantige Übergänge sind an gefährdeten
Stellen unbedingt zu vermeiden (Bild 25).
Verbindungen von Bauteilen durch Verschrauben,
Verklemmen oder Schrumpfen können bei
Dauerschwingbelastung durch gegenseitiges Reiben und
Fressen Verletzungen der Oberfläche zur Folge haben,
welche der Ausgangspunkt für Dauerbrüche sind. Hier
ist durch formgerechte Gestaltung und durch sorgfältige
Fertigung für Abhilfe zu sorgen.
Beim Auftreten einer größeren Reibungskorrosion kann
eine Oberflächen- härtung oder Nitrierung ein Fressen
weitgehend vermeiden. An Stellen erhöhter
Beanspruchung, die bevorzugt einer Bruchgefahr
ausgesetzt sind, wird diese durch eine Oberflächenhärtung
verringert. Dies ist auf eine Erhöhung der
Druckeigenspannungen an der Oberfläche zurückzuführen.
Für betriebssichere Konstruktionen dauerbruchgefährdeter
Bauteile ist somit neben der Werkstoffwahl
(Zugfestigkeit, Streckgrenze, Kerbempfindlichkeit und
optimaler Vergütungszustand) die Formgestaltung und
Oberflächen- beschaffenheit (Vermeidung von
Spannungsspitzen und Kerbwirkungen, riefen- und
narbenfreie Oberfläche, Entkohlungsfreiheit, eventuell
Verwendung eines Verfahrens zur Erreichung von Oberflächendruckspannungen)
hinreichend zu berücksichtigen. Erst die Einbeziehung
aller Einflussfaktoren gewährleistet eine weitgehende
Betriebssicherheit dynamisch beanspruchter Teile.
Bild
24
Dauerbruch |
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Bild
25
Zweckmäßige
Gestaltung
Schnittübergängen |
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