|
Grundlagen der Wärmebehandlung
Stähle sind Eisen-Kohlenstofflegierungen, deren Eigenschaften durch Änderung der
chemischen Zusammensetzung (C-Gehalt und Zugabe von Legierungselementen) und durch
Wärmebehandlung beeinflusst werden können. Hierdurch ergibt sich eine Vielzahl von
Baustählen, die allen Anforderungen gerecht werden. Zum Verständnis der verschiedenen
Wärmebehandlungen ist es erforderlich, mit den Vorgängen vertraut zu werden, die in
Baustählen bei der Erwärmung und Abkühlung ablaufen.
Das Zustandsschaubild Eisen-Kohlenstoff (Bild 1) bildet eine erste Grundlage für die
Wärmebehandlung. Es zeigt die unter Gleichgewichtsbedingungen vorliegenden
Gefügebestandteile und Mengen an. Dem Zustandsschaubild ist zu entnehmen, dass Austenit
und bei übereutektoiden Stählen Austenit und Zementit bei Temperaturen oberhalb der Linie
GSK vorhanden sind. Bei sehr langsamer Abkühlung, die wiederum zu
Gleichgewichtsverhältnissen bei Raumtemperatur führt, erfolgt eine Umwandlung des
Austenits in andere Gefügearten.
Bild 1(Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild klicken.)
Zustandsschaubild Eisen-Kohlenstoff
Stähle mit C-Gehalten unter 0,8 % scheiden bei der Abkühlung aus dem Austenitgebiet Ferrit
aus und der restliche Austenit zerfällt unter 723°C in Perlit (Bild 2 - Ferrit und Perlit). Bei
einem Gehalt von 0,8 % Kohlenstoff bildet sich nur Perlit (Bild 3) als Gemenge von Ferrit
und Zementit. In Stählen mit C-Gehalten über 0,8 % entsteht Perlit und Zementit (Bild 4),
wobei der Sekundärzementit an den Korngrenzen ausgeschieden wird.
Durch den Zusatz anderer Legierungselemente können die Umwandlungstemperaturen und
die Gleichgewichtslinien verändert und die Karbidbildung beeinflusst werden.
Über das Gefüge von Stählen, die rasch aus dem Austenitgebiet abgekühlt werden, gibt das
Zustandsschaubild keine Auskunft. Die Umwandlung des Austenits erfolgt mit höheren
Abkühlungsgeschwindigkeiten nicht nach den Gleichgewichtsverhältnissen und führt zu
anderen Gefügearten - Sorbit, Troostit, Zwischenstufengefüge, Martensit - die im FeC-
Zustandsschaubild nicht angezeigt werden. Die Umwandlungen werden in Zeit-Temperatur
Umwandlungsschaubildern beschrieben; sie bilden eine weitere Grundlage der
Wärmebehandlung.
Bild 2 Ferrit und Perlit (untereutektoidischer Stahl) |
Bild 3 Perlit (eutektoidischer Stahl) |
Bild 4 Perlit und Zementit (übereutektoidischer Stahl) |
|
Im ZTU- Schaubild wird auf der Ordinate die Temperatur und auf der Abszisse die Zeit im
logarithmischen Maßstab angegeben. Der Beginn und das Ende der Austenitumwandlung in
die einzelnen Gefügebestandteile - Ferrit, Perlit, Zwischenstufe und Martensit - werden durch
Kurvenzüge wiedergegeben. Je nachdem, ob bei der Ermittlung des Schaubildes die
Temperatur während der Umwandlung konstant gehalten oder kontinuierlich verändert wurde, unterscheidet man
zwischen isothermischem ZTU- Schaubild und dem ZTU- Schaubild für kontinuierliche
Abkühlung.
Im isothermischen ZTU- Schaubild (Bild 5) wird angezeigt, welche Zeit für den Beginn und
bis zur Vollendung der Austenitumwandlung bei der jeweiligen Temperatur benötigt wird,
und in welchem Temperaturbereich die größte Umwandlungsneigung vorhanden ist. Es ist
ferner abzuschätzen, welche Abkühlungsgeschwindigkeit erreicht werden muss, um eine
vollständige Martensitbildung zu erzielen. Hierzu muss bei der Abkühlung von der
Austenitisierungstemperatur die Linie Ms unterschritten werden, ohne dass vorher bereits eine
Gefügeumwandlung eingeleitet wurde.
Die Martensitbildung erfolgt spontan und ist
unbeeinflusst von der Haltezeit der Temperatur. Der Martensitanteil wird durch weitere
Abkühlung auf Raumtemperatur gesteigert (Kennlinien für 50 und 90%igen
Martensitanteil).
Die Härte der gebildeten Gefügebestandteile ist jeweils dem Kurvenzug "Umwandlung"
zugeordnet und in Kreisen durch Angabe der HRC- bzw. der HV-Werte gekennzeichnet. Im
ZTU- Schaubild findet man nach der Umwandlung folgende Gefügebestandteile: unterhalb Ms
Martensit, rechts der Kurve "Umwandlungsende" bei höheren Temperaturen Perlit, bei den
niedrigen Temperaturen Zwischenstufengefüge. Der Mengenanteil des Umwandlungsgefüges
ist durch Zahlenangaben in Prozent gekennzeichnet.
Bild 5 (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild klicken.)
Isothermisches ZTU- Schaubild
Im ZTU- Schaubild für kontinuierliche Abkühlung (Bild 6) werden die
Umwandlungsvorgänge, die bei der Anwendung verschiedner Abkühlungsgeschwindigkeiten
ablaufen, beschrieben. Deshalb ist ausgehend von der Austenitisierungstemperatur eine Schar
Abkühlungskurven eingezeichnet. Jeweils auf der 500°-Isotherme sind die
Abkühlungsgeschwindigkeiten in °C/min. und bei rascherer Abkühlung, die
Abkühlungsparameter vermerkt. Aus dem Abkühlungsparameter ergibt sich die
Abkühlungszeit zwischen 800 und 500°C durch Multiplikation mit 100; ein Parameter von
0,1 besagt, dass innerhalb von 10 sek. von 800 auf 500°C abgekühlt wird.
Für jede
Abkühlungskurve sind die in den einzelnen Umwandlungsstufen gebildeten Gefügeanteile
prozentual vermerkt. Die Härtewerte der bei Raumtemperatur vorhandenen Gefüge sind auf
der Abszissenachse in HV angegeben.
ZTU- Schaubilder werden jeweils für eine Schmelze der genannten
Qualität aufgestellt und sind deshalb nur unter Berücksichtigung gewisser Streuungen,
bedingt durch Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung, anzuwenden. Auch die
Austenitisierungstemperatur und die Korngröße beeinflussen den Ablauf der
Umwandlungsvorgänge.
Bild 6 (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild klicken.)
ZTU- Schaubild bei kontinuierlicher Abkühlung
|