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Anwendung der isothermischen ZTU- Schaubilder
Die isothermischen ZTU- Schaubilder ermöglichen die
Bestimmung der Umwandlungsvorgänge, die bei konstanten
Temperaturen oberhalb der Martensittemperatur ablaufen.
Ihre Anwendung ist bei isothermischen Wärmebehandlungen,
z.B. bei Zwischenstufenvergütung, Patentierung,
isothermischer Umwandlungsglühung (isothermisches OB-Glühen),
Wärmbadhärtung und Weichglühen wichtig. (Bild 7)
Anwendung
der ZTU- Schaubilder für kontinuierliche Abkühlung
In der praktischen Wärmebehandlung der Stähle
vollziehen sich die meisten Umwandlungsvorgänge bei
kontinuierlicher Abkühlung (siehe Bild 6). Dies
gilt beispielsweise für das Härten. Beim Härten wird
der Stahl von einer Temperatur oberhalb der Linie GOSK
im Eisen-Kohlenstoff-Zustandschaubild überkritisch
abgekühlt, um die Martensitbildung zu ermöglichen.
Die
Abkühlungskurve, die dieser Mindestabkühlungsgeschwindigkeit
entspricht, darf die Linie für den Umwandlungsbeginn in
der Perlit- und Zwischenstufe nicht schneiden, sie kann
direkt aus dem ZTU- Schaubild entnommen werden. Die
erzielbare Abkühlungsgeschwindigkeit hängt von der
Abschreckintensität des Härtemittels und der Werkstückabmessung
ab. Für die Abkühlung von Rundstäben können die Abkühlungsgeschwindigkeiten
verhältnismäßig genau bestimmt werden.
Auf die Kernzone eines Rundstabes bezogen, gibt die
folgende Tabelle für Wasser-, Öl- und Lufthärtung die
Abkühlungsparameter bzw. die Abkühlungsgeschwindigkeiten
in Abhängigkeit vom Durchmesser an.
Abkühlungsparameter λ1)
bzw. Abkühlungsgeschwindigkeit v für den
Kern von Werkstücken bei Wasser, Öl- und Luftabkühlung.
| λ
bzw. V |
Durchmesser in mm
bei Abkühlung in: |
| Wasser |
Öl |
Luft |
| 0,01 |
10 |
|
|
| 0,03 |
18 |
|
|
| 0,06 |
25 |
10 |
|
| 0,1 |
35 |
18 |
|
| 0,2 |
50 |
30 |
|
| 0,35 |
70 |
45 |
|
| 0,5 |
85 |
60 |
|
| 0,7 |
105 |
70 |
|
| 1 |
130 |
90 |
10 |
| 2 |
180 |
130 |
18 |
| 3 |
230 |
170 |
25 |
| 5 |
300 |
220 |
40 |
| 7 |
360 |
280 |
55 |
| 9 bei 20°C/min |
420 |
320 |
65 |
| 18 bei 10°C/min |
600 |
500 |
130 |
| 26 bei 5°C/min |
900 |
750 |
220 |
| 72 bei 2,5°C/min |
1300 |
1150 |
400 |
| 144 bei 1,25°C/min |
1900 |
1700 |
700 |
| 255 bei 0,8°C/min |
2400 |
2200 |
1000 |
| 450 bei 0,4°C/min |
3500 |
3300 |
1900 |
Werkstück mittelmäßig bewegt.
1) λ = Abkühlungszeit
von 800 – 500°C in sek. x 10-2
Bild 7 (Zur Vergrößerung, bitte auf das
jeweilige Bild klicken.)
Isothermisches ZTU- Schaubild und Arten der Wärmebehandlung
Auf beliebige Querschnittsstellen bezogen sind die
Angaben in den Bildern 8 bis 12 zu verwenden. Die
durchgezogenen Kurven geben auf der Ordinate Abkühlungsparameter
und - geschwindigkeiten für den Durchmesser zwischen 50
und 800 mm in Abhängigkeit vom Abstand von der Oberfläche
an. Die gestrichelte Kurve in jedem Schaubild entspricht
der Abkühlung im Kern der Rundstäbe. Die Bilder 8
und 9 beziehen sich auf Wasserabschreckung. Für Ölabschreckung
sind die Verhältnisse in den Bildern 10 und 11
dargestellt. Bild 12 gilt nur für Luftabkühlung.
Da auch einem gegebenen Stirnabstand im Härtbarkeitsversuch
nach Jominy ein eindeutiger Abkühlungskennwert
entspricht, kann auf der rechten Ordinate der Bilder
8 und 10 der Abstand von der Stirnfläche der
Stirnabschreckprobe direkt als Zweitmaßstab
eingezeichnet werden.
Aus der Darstellung in den Bildern 8 und 12 können
die entsprechenden Abkühlungsparameter und Abkühlungsgeschwindigkeiten
ermittelt werden, welche im ZTU- Schaubild für
kontinuierliche Abkühlung eine ziemlich genaue
Voraussage der nach der Umwandlung erhaltenen Gefüge
und der erzielten Härte über den Querschnitt in Abhängigkeit
von Stahlqualität, Abmessung und Härtemittel ermöglichen.
So kann man mit Hilfe des kontinuierlichen ZTU-
Schaubildes und der Abkühlungskurven für jede
Stahlqualität den maximalen Querschnitt bestimmen, bei
welchem gegebenen Härtemitteln eine vollkommene Durchhärtung
erreicht wird. Anderseits kann man auch ermitteln,
welche Verbesserung der Gefügeausbildung durch Wahl
eines schrofferen Härtemittels erzielt werden kann.
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| Bild 8
Wasserabschreckung |
Bild 9
Wasserabschreckung |
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(Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild klicken.) |
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| Bild 10
Ölabschreckung |
Bild 11
Ölabschreckung |
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(Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild klicken.) |
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Bild 12
Luftabkühlung
Zum besseren Verständnis sollen die beiden folgenden
Beispiele dienen:
1.Beispiel
Bei welchem Querschnitt wird beim Stahl 58 CrV 4 nach Ölabschreckung
noch volle Durchhärtung erreicht?
Lösung:
Aus dem kontinuierlichen ZTU- Schaubild von 58 CrV 4 (Bild
6 vorherige Seite) entnimmt man jene Abkühlungskurve,
die noch eine Umwandlung in der Perlit- und der
Zwischenstufe vermeidet. Das ist in unseren Falle nicht
ganz die Kurve 4 mit dem Abkühlungsparameter 0,31. Bei
einem Parameter von ca. 0,25 würde der
Zwischenstufenbereich nicht geschnitten.
Überträgt man diesen Wert in die Tabelle,
so ergibt sich bei Ölabkühlung für den Abkühlungsparameter
0,25 ein Querschnitt von ca. 35mm, bei dem noch volle
Durchhärtung erzielt wird.
2.Beispiel
Eine Welle mit 100mm Durchmesser aus 36 CrNiMo 4 wird in
Öl gehärtet. Welche Härte und welches Gefüge sind am
Rand und im Kern zu erwarten?
Lösung:
Nach Bild 10, Kurve für 100mm Durchmesser, kühlt
der Kern mit einem Abkühlungsparameter von ca. 1,3
(Abszissenwert 50) ab, der Rand mit einem Abkühlungsparameter
von 0,25 (Abszissenwert = 0). Der Abkühlungsparameter
1,3 für den Kern entspricht im ZTU- Schaubild (Bild
13) einer Kurve zwischen der vierten und fünften
Abkühlungskurve von links. Danach erhält man im Kern
etwa 1% Ferrit, 85% Zwischenstufe, Rest Martensit und
Restaustenit bei einer Härte von 340 HV. Für den Rand
ergibt sich ein Gefüge aus ca. 10% Zwischenstufe sowie
aus Martensit und geringen Teilen Restaustenit bei einer
Härte von ca. 500 HV.
Bild 13 (Zur Vergrößerung, bitte auf das
jeweilige Bild klicken.)
ZTU- Schaubild bei kontinuierlicher Abkühlung
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