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Härtbarkeit
Die beim Abkühlen aus dem Austenitgebiet z.B. beim Härten auftretenden
Härteänderungen, führen zum Begriff der Härtbarkeit. Unter "Aufhärtbarkeit"
wird dabei die höchste, durch Abschrecken erzielbare Oberfläche
verstanden. Sie stellt sich ein, wenn praktisch 100% Martensit im Gefüge
vorliegen. Dieser Härtewert ist vom Kohlenstoffgehalt des Stahles,
genauer vom C-Gehalt, der im Austenit gelöst ist, abhängig (Bild
14). Davon zu unterscheiden ist die sogenannte Einhärtbarkeit. Sie
ist gemeint, wenn in der Umgangssprache von "Härtbarkeit" die
Rede ist. Sie beschreibt die Härteänderung über den gesamten
Querschnitt eines Werkstückes. Diese hängen u.a. stark vom
Legierungsgehalt, von der Austenitkorngröße und den Härtebedingungen
des Stahles ab.
Aus diesen Erklärungen geht hervor, dass das ZTU- Schaubild für
kontinuierliche Abkühlung zusammen mit den Abkühlungskurven (Bilder
8-12) die Härtbarkeit der Stähle umfassend beschreiben. Meist
bedient man sich in der Praxis eines weniger aufwendigen Verfahrens, bei
dem man sich auf die Ermittlung der Härtewerte beschränkt und auf die
Feststellung der Gefügezusammensetzung verzichtet. Dabei wird davon
ausgegangen, dass in den meisten Anwendungsfällen ein Gefüge mit 50%
Martensit als Mindestgrenzwert der Einhärtung angesehen werden kann.
Bild 14 (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild
klicken.)
Abhängigkeit der Härte vom Kohlenstoffgehalt für Gefüge mit
verschiedenem Martensitgehalt (nach Gerber und Wyss)
Zur Prüfung der Härtbarkeit dient der Stirnabschreckversuch nach
Jominy (DIN EN ISO 642), bei welchem eine Probe von 100 mm Länge und
25mm Durchmesser von der Stirnseite her mit einem Wasserstrahl
abgeschreckt wird. (Bild 15)
Nach dem Abschrecken wird an der seitlich angeschliffenen Mantelfläche
die Härte in Abhängigkeit vom Abstand von der Stirnfläche gemessen
und in einem Schaubild dargestellt. Das Verfahren ergibt dank
einheitlicher Prüfbedingungen nur geringe Streuungen in den
Ergebnissen. Bild 16 zeigt Stirnabschreckhärtekurven
(Jominy-Kurven) verschieden
legierter Stähle mit ca. 0,3% C, die den Einfluss der unterschiedlichen
chemischen Zusammensetzung auf den Härteverlauf kennzeichnen.
Bild 15 (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild
klicken.)
Stirnabschreckversuch nach Jominy
Bild 16
Mittlere Kurven aus Stirnabschreck- Härtbarkeitsversuchen eines höher
legierten, eines leicht legierten und eines unlegierten Stahles mit etwa
0,3% Kohlenstoff
Wegen des etwa gleichen C-Gehalts besitzen sie alle die gleiche
Aufhärtbarkeit;
die Kurven beginnen am linken Bildrand mit der gleichen Härte.
Chargeneinflüsse, wie sie beispielsweise durch Schwankungen der
chemischen Zusammensetzung innerhalb der zulässigen Analysenspanne
eines Stahls entstehen, werden durch ein Härtbarkeitsstreuband
gekennzeichnet.
Aus den Ergebnissen der Stirnabschreckhärteprüfung eines Stahles
lassen sich auch Voraussagen über den Härtverlauf in anderen Körpern
regelmäßiger Form und Größe aus gleichen Werkstoffen ableiten, da
dem Abstand von der abgeschreckten Stirnfläche einer Stirnabschreckhärteprobe
jeweils eine bestimmte Abkühlungsgeschwindigkeit zugeordnet werden
kann. Diese Zuordnung gilt für die üblichen Einsatz- und Vergütungsstähle,
weil diese Stahlgruppen annähernd gleiche physikalische Eigenschaften -
Wärmeleitfähigkeit und Wärmeausdehnung - besitzen. Da bei einer
gegebenen Stahlgüte gleiche Abkühlungsgeschwindigkeiten von der
Austenitisierungstemperatur immer bestimmte Umwandlungsvorgänge
bewirken und zu bestimmter Gefügeausbildung und Härtewerten führen,
so müssen auch den Härtewerten auf der Stirnabschreckhärtekurve
gleiche Härtewerte an Stellen mit äquivalenter Abkühlungsgeschwindigkeit
auf anderen Körpern zugeordnet werden können. So ist es möglich, die
aus dem Stirnabschreckhärteversuch an der Probe ermittelten Härtewerte
auf Stellen gleicher Abkühlungsgeschwindigkeiten im Rundmaterial zu übertragen
und den Härteverlauf in diesen Querschnitten zu bestimmen.
Zur praktischen Anwendung wurden für Wasser- und Ölhärtung Diagramme
entwickelt, welche die Abkühlungsgeschwindigkeit in einzelnen
Querschnittsstellen von Rundstäben in Abhängigkeit vom Durchmesser
kennzeichnen. Diese Diagramme sind als transparente Deckblätter zu den
Härtbarkeits- Streubändern bzw. Stirnabschreckkurven ausgebildet. Es
ist damit möglich, für eine beliebige Querschnittstelle des gehärteten
Rundstabes die Härte aus der Stirnabschreckkurve zu bestimmen und den Härteverlauf
über den Querschnitt anzugeben.
Bild 17 (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige Bild
klicken.)
Beziehung zwischen den Abständen von der abgeschreckten Stirnfläche
und
Zonen gleicher Abkühlungsgeschwindigkeiten für Wasserhärtung (links)
und Ölhärtung (rechts).
Anwendungsbeispiele:
Es soll der Härteverlauf über den Querschnitt eines Rundstabes von
100mmØ nach Wasserhärtung aus dem Härtbarkeitsstreuband des Vergütungsstahles
34 Cr 4 bestimmt werden.
Man legt das Deckblatt für Wasserhärtung auf das Härtbarkeitsstreuband
von 34 Cr 4. Die Schnittpunkte der 100 mm - Horizontalen mit den 4
Kurven des Deckblattes werden festgestellt (Pkt. 1-4 im Bild 18b).
Die durch diese Schnittpunkte verlaufenden Vertikalen schneiden das
Streuband an je 2 Punkten und zwar die untere Grenzkurve in den Punkten
1´ bis 4´ und die obere in 1" bis 4". Diese Punkte
entsprechen folgenden Härtewerten:
| Rand 1'...49 HRC |
2'...33 HRC |
3'...25 HRC |
Kern 4'...20 HRC |
| Rand 1"...57 HRC |
2"...48 HRC |
3"...41 HRC |
Kern 4"...37 HRC |
Hieraus ergibt sich die in Bild 18a wiedergegebene Härteverteilung
über den Querschnitt Ø 100 mm für den Härtbarkeitsbereich einer
betreffenden Stahlqualität (im vorliegenden Beispiel 34 Cr 4). Da die Härtbarkeitskurve
einer Schmelze innerhalb des Streubandes der Qualität liegen muss, so
muss auch die zugehörige Kurve für den Härteverlauf innerhalb der
beiden Grenzkurven des Bildes 18a liegen.
2. Bestimmung der maximalen Rundstahlabmessung für den Stahl 34 Cr 4
bei der mittels Wasserhärtung noch Durchhärtung erzielt wird.
Aus Schaubild 14 ist für den C-Gehalt einer Schmelze mit 0, 34%
Kohlenstoff jene Härte abzulesen, die einem Gefügeanteil von 50%
Martensit entspricht. In unserem Beispiel sind dies 40 HRC. Man
überträgt das Diagramm für Wasserhärtung (Bild 17, links) in das Diagramm
des Härtbarkeitsstreuband, des
betreffenden Stahles.
Bild 18a und 18b (Zur Vergrößerung, bitte auf das jeweilige
Bild klicken.)
Bei 40 HRC wird das Streuband in 2 Punkten 1 und 2 geschnitten. Die
Vertikalen durch diese Punkte schneiden die Abkühlkurve für den Kern
in den Punkten 1´ und 2´. Sie entsprechen einem Rundstabdurchmesser
von 40 bis 85 mm (Punkte 1" und 2" in Bild 19), wobei diese
Punkte die Grenzwerte dieses Streubereiches angeben. Für eine Schmelze,
deren Härtbarkeit an der unteren Grenze liegt, ergibt sich somit ein
maximaler Stabdurchmesser von 40mm Ø, bei hoher Härtbarkeit max. 85mm
Ø.
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